Kleist: Krise und Experiment – Doppelausstellung in Berlin und Frankfurt (Oder)

 

Auftraggeber Kleist-Museum Frankfurt (Oder) / Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft, Berlin
Laufzeit 21. Mai 2011 bis 29. Januar 2012
Aufgaben Konzeption, Gestaltung und Produktion der beiden Sonderausstellungen in Berlin und Frankfurt (Oder)

Kleist war an der Jahrhundertwende 1800 ein Krisenspezialist und Projektemacher, der Deutschland als einen bewegungsarmen Wartesaal empfand. Er versuchte, seine Zeitgenossen mit futurischen Experimenten nicht nur in der Literatur, sondern in allen gesellschaftlichen Bereichen wachzurütteln – mit Ideen zur Militär- und Finanzreform des preußischen Staates, mit der Erfindung einer „Lasterschule“ nach dem Programm einer „gegensätzischen“ Pädagogik, mit dem Entwurf eines U-Boots oder einer „Bombenpost“ oder der Installierung einer hauptstädtischen Boulevardzeitung zur Camouflierung politischen Handelns.

Als Persönlichkeit, Dramatiker und Erzähler mit extremen Positionen, von seinen Zeitgenossen unverstanden, erscheint Kleist heute als moderner Charakter, der an der Jahrhundertwende 1800 in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche in Deutschland geriet und, obwohl aus einer märkischen Adelsfamilie stammend, zeitlebens instabile Lebensverhältnisse hatte. Aus der permanenten Krisenerfahrung heraus entwickelte er seine Ideen und seine wechselnden Lebensentwürfe. Ständig erneuerte er nach seiner Zeit beim Militär seinen Lebensplan, entwarf sich immer wieder neu als Gelehrter, Beamter, Familienvater, Bauer, Buchhändler oder Redakteur, und schließlich als erfolgreicher Schriftsteller, was ihm zu Lebzeiten versagt blieb.

Kleists 200. Todestag am 21. November 2011 ist der Anlass, den Zusammenhang von Krise, Kritik und Reformideen damals und heute zu diskutieren. Im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht die Doppelausstellung Kleist: Krise und Experiment, die zeitgleich im Berliner Ephraim Palais / Stadtmuseum Berlin und im Kleist-Museum, Frankfurt (Oder) zu sehen ist. Ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt die Themenräume der Ausstellung mit wissenschaftlichen und künstlerischen Beiträgen und verspricht lebhafte Diskussionen zwischen den Zeiten.

Kleists Texte, vor allem seine Briefe, führen vielstimmig und leitmotivisch akustisch durch die Ausstellung.

Kuratoren der Ausstellung:
Günter Blamberger (Präsident der Heinrich-von-Kleist Gesellschaft) und Stefan Iglhaut

Veranstalter:
Kleist-Museum, Frankfurt (Oder) / Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft, Berlin / Stiftung Stadtmuseum Berlin

Adresse des Kleist-Portals:
www.heinrich-von-kleist.org

Förderer:
Kulturstiftung des Bundes

Die Kleist-Biographie von Günter Blamberger ist im S. Fischer Verlag erschienen.