Melanchthonhaus Wittenberg

 

Auftraggeber Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Ort Wittenberg
Eröffnung Februar 2013
Aufgaben Gestaltung und Produktion der Dauerausstellung im Bestandsgebäude und im Erweiterungsbau (alle HOAI-Phasen). Konzeption der Grafik-, Licht- und Mediengestaltung. Produktion der Ausstellungsmedien. Mitwirkung am Sanierungskonzept für Bestandsgebäude.

Die Überarbeitung des Melanchthonhauses in Wittenberg verfolgt das Ziel, klare Erzählstrukturen zu schaffen und die Wirkung der Originalexponate und des historischen Gebäudes in den Vordergrund zu rücken. Didaktische Erläuterungen und historische Kontextbildung werden deutlich reduziert. Der Verzicht auf inszenatorisches und didaktisches Beiwerk schafft Konzentration auf das zu den Luthergedenkstätten gehörende Renaissance-Gebäude. Dieses ist seit 1996 als UNESCO-Weltkulturerbe registriert, von der Bausubstanz her weitgehend authentisch und daher selbst Exponat. Der darüber hinaus interessierte Besucher erhält anhand von reduzierten Textmedien sowie in einem Lese- und Recherchesalon alles, was er zum Verständnis braucht: Erläuterungen, Hintergründe und Quellen. Eine solche Präsentationsstrategie dünnt gezielt wieder aus, was aus der Erklär- und Entschlüsselungstradition kulturgeschichtlicher Museen erwachsen ist.

Die gestalterischen Ansätze gehen von der erhaltenen Substanz des Melanchthonhauses aus und reagieren in allen Bereichen darauf: durch eine reduzierte, moderne, von den Wänden abgerückte Ausstellungsarchitektur, durch eine Ausstellungsgrafik, die sich auf wenige orientierende Elemente beschränkt, durch die Schaffung eines Lese- und Medienraums, durch behutsame Eingriffe in das Haus mit der Absicht, die Substanz unter den jüngeren Schichten wieder sichtbar machen. Die Kriterien der Überarbeitung sind demzufolge: Konzentration aufs Wesentliche und visuelle Beruhigung, Reduktion von Exponaten und Kontextinformation, Stärkung der Hauptobjekte und -erzählungen, Stärkung der Beziehung zwischen Gebäude und inhaltlicher Dramaturgie, denkmalpflegerisch abgestimmte Hervorhebung der historischen Gestalt des Gebäudes.

Die Maßnahmen im Wohnhaus Melanchthons gehen Hand in Hand mit der Konzeption eines Erweiterungsbaus durch die Architekten Dietzsch & Weber aus Halle und Leipzig. Hier wird die Ausstellung mit Originalen aus der Melanchthon-Zeit dichter bestückt sein und es werden ideale konservatorische Bedingungen für Handschriften und Drucke geschaffen.